Ein schönes Erlebnis

Es ist ja nicht alltäglich, dass man sich über ein besonderes Erlebnis freuen kann. Heute war dann wohl mein Glückstag. Denn es ist mir gelungen, zwei kleine Menschen mit ganz einfachen Dingen glücklich zu machen. Und das kam so:

Eigentlich fing der Tag recht unspektakulär an. Es regnete, war kalt und sowieso irgendwie alles doof. Aber was soll´s, ich musste trotzdem los. Und zwar Richtung Frühförderung mit meinem Sohn. Dort angekommen mussten wir noch einige Minuten warten, bis mein Kind endlich an der Reihe war. Ihm macht das nichts weiter aus, da dort im Wartebereich viel Spielzeug ist und er somit diese Zeit gut überbrücken kann. Nach wenigen Minuten kam noch eine Mutti mit zwei kleinen Kindern. Sie setzte sich hin und forderte ihre Kinder in stadiontauglicher Lautstärke auf, die Jacken auszuziehen.

Mein erster Gedanke war, dass sie wohl auch nicht so gut geschlafen hatte. Denn um die Uhrzeit schon so einen Ton…das ist für mich nicht normal. Da sie ihren Kindern aber in den folgenden Minuten auch keine Beachtung schenkte und sich eher durch ihre Anwesenheit belästigt fühlte, musste ich leider mehr und mehr davon ausgehen, dass hier generell wenig freundliche Worte den Besitzer wechseln. Die Kinder spielten, die Mutti auch – und zwar mit ihrem Handy – als eines der Kinder ein Hungergefühl anmeldete.

Leider war die Reaktion nicht so, wie man es sich von einer fürsorglichen Mutter wünscht. Ganz im Gegenteil. Sie schnauzte das Kind an, dass es das gefälligst eher hätte sagen müssen. Jason (das andere Kind) hat zu Hause auch noch ein Toast gegessen. Das hungrige Kind (Michelle) hatte da aber keinen Appetit auf trockenen Toast.

Da mir die Kleine fürchterlich Leid tat, bot ich ihr ein paar Kekse und etwas zu trinken an. Solche Dinge finden sich immer in meiner Handtasche. Die Kleine war so glücklich über dieses nun wirklich sehr bescheidene Mahl, dass sie fast anfing zu weinen. Und auch ihr Bruder griff beherzt bei den Keksen zu. Die Mutter der beiden zeigte sich wenig beeindruckt und brachte noch nicht einmal ein „Danke schön“ über ihre dick geschminkten Lippen. Sehr schade eigentlich, denn es kam mir so vor, als ob die Kinder regelmäßig ohne Essen das Haus verlassen.

Was mich aber freute, dass ich diesen beiden Kindern helfen konnte und sie ein paar glückliche Minuten hatten. Und deshalb ist dieses Erlebnis für mich auch schön verlaufen.

In diesem Sinne: Armes Deutschland

This entry was posted on Wednesday, January 25th, 2012 at 01:26 and is filed under Alltag. You can follow any responses to this entry through the RSS 2.0 feed. You can leave a response, or trackback from your own site.

One Response to “Ein schönes Erlebnis”

  1. Berta Says:

    Gut gemacht, immer müssen die schwächsten leiden… Ich glaube wer sogar noch selbst Kinder hat, der fühlt noch mehr mit, die Armen kleinen…

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